Saurier Bogenclub Altenahr e.V.


 
 


Compoundbogen


Der Begriff Compoundbogen (engl. compound „Verbund“) bezeichnet einen Bogen mit einem speziellen Konstruktionsprinzip und ist nicht zu verwechseln mit Kompositbogen, was sich auf das Material (Verbundstoff) bezieht. Diejenigen die in der FITA seit Jahren Recurve schießen, legen sehr viel Wert auf eine sehr gleichmäßige/ dynamische Kraftentwicklung, verbunden mit einer hohen Präzision.
Auf der Jagd sind jedoch ganz andere Anforderungen, neben der Präzision, an einen Bogen gestellt. Man begibt sich in ein Gelände, dass nicht immer eben und glatt ist. Hier schießt man bergab, bergauf, über Gewässer und im schwierigen Gelände. Hinzu kommen Faktoren, die ein FITA-Schütze nicht zu fürchten hat, nämlich unterschiedlich große Ziele auf unterschiedlichen und unbekannten Entfernungen.
die Bogenlängen
Wie bereits erwähnt wurde der Compoundbogen für die Jagd entwickelt. Hier findet man nicht gerade die idealen Bedingungen wie auf einem FITA- Gelände vor. Um in der Lage zu sein im besonders steilen, unwegsamen und schwierigen Gelände schießen zu können, ohne einen Kontakt mit dem Gebüsch oder ähnlichen zu haben, muss der Bogen kurz und beweglich sein. Daher finden wir im Bereich Compoundbogen auch Bögen die (neuerdings) maximal 32 Zoll von Achse zur Achse messen. Verschiedene Firmen haben sich der Entwicklung angepasst und stellten mit der Öffnung der FITA für Compound, längere Bögen her. Selbst diese waren nur ca. 48 Zoll von Achse zur Achse lang.
die Auszugslänge
Die Auszugslänge wird beim Compoundbogen durch die Rollen in Verbindung mit der Sehne und der Kabel begrenzt. Da sich die Sehne im Ruhezustand um die Rolle legt und nur soweit ausgezogen werden kann, bis die Kabel an der Innenrolle anliegen, ist der Auszug begrenzt. Je nach Rollenform ist das Ende des Auszuges besser oder schlechter spürbar, abhängig von der Rollenform. Die Hersteller bieten jedoch Verstellmöglichkeiten der Auszugslänge an den Rollen an. Die eine Möglichkeit ist es, die Sehne durch vorgegebenen Nuten unterschiedlich lang einzustellen. Die andere besteht darin, die Sehne durch Eindrehen zu kürzen (Kürzung der Auszugslänge), oder die Sehne aufzudrehen (Verlängerung der Auszugslänge).
Die Auszugslänge kann aber auch über die Kabel verändert werden. Da die Kabel auf der Rückseite der Rolle über eine Nut laufen, kann man diese separat verstellen. Durch Eindrehen der Kabel bewirkt man, dass sich die Kabel verkürzen und die Rolle nach von bewegt wird, wodurch sich die Sehne mehr um die äußere Rolle wickeln kann und somit sich der Auszug verlängert, da sich Kabel und Sehne erst später am Entauszug befinden. Die Hersteller empfehlen jedoch, die Auszugslänge über die Kabel nur bis maximal 1 Zoll zu verändern, da durch das Eindrehen der Kabel die Rolle in eine Position gebracht wird, die der Hersteller so nicht vorgesehen hat.
Wenn weder durch Umhängen der Sehne noch, durch Ein- oder Aufdrehen der Kabel die gewünschte Auszugslänge erreicht wird, so muss man einen Bogen auswählen der die gewünscht Auszugslänge abdeckt, oder man wählt einen anderen Rollendurchmesser. Andere Rollen verändern die Auszugslänge nur durch ihren Durchmesser. Kleine Rollen verkürzen den Auszug, große Rollen verlängern den Auszug, Dies ist auch automatisch mit anderen Kabeln und einer neuen Sehne verbunden. Rollen, Kabel und Sehne bilden immer eine Einheit.

Einstellung des Zuggewichtes

Wie am Recurvebogen haben auch Compoundbogen eine Verstelleinrichtung zum Erhöhen und Verringern der Auszugskraft. Diese befindet sich an den Wurfarmtaschen und ist meist die Schraube die den Wurfarm an das Mittelteil befestigt. Natürlich haben die Wurfarme eine Grundwurfleistung die sich aus der Fertigung ergeben. Bei den meisten Compoundbogen lässt sich die Auszugskraft um ca. 10 lbs erhöhen oder verringern, Beispiel: Zuggewicht von 40-5O lbs (Herstellerangabe).
Das Zuggewicht kann aber auch auf andere Art beeinflusst werden. Indem man die Sehne eindreht verringert sich das Zuggewicht, da ich den Bogen gewissermaßen schon "vorspanne". Durch Aufdrehen der Sehne erhöht sich das Zuggewicht, da sich die Sehne mehr um die Rolle legen kann und die Wurfarme sich weiter nach vorn bewegen und somit ihre Vorspannung erhöhen.
Merke:
Eindrehen der Sehne verringert das Zuggewicht und verkürzt die Auszugslänge. Aufdrehen der Sehne verlängert den Auszug und erhöht das Auszugsgewicht des Bogens. Wie durch die Sehne kann man auch durch die Kabel das Zuggewicht verändern. Wenn man die Kabel eindreht verlängert sich der Auszug, da die Rolle weiter nach vorn gestellt wird und die Sehne sich weiter um die Rolle legen muss. Das Zuggewicht erhöht sich. Durch Aufdrehen der Kabel verkürzt sich der Auszug, da sich die Rolle nach hinten dreht und die Sehne weniger um die Rolle legt, der Bogen wird also auch vorgespannt. Das Zuggewicht verringert sich.
Merke:
Verlängerung der Kabel bewirkt eine Verringerung des Zuggewichtes und Verkürzung der Auszugslänge. Das Eindrehen der Kabel führt zur Verlängerung des Auszugs und zur Erhöhung des Zuggewichts des Bogens.
Zugkraftverhalten des Compoundbogens
Wir wissen aus dem Recurvebereich, dass beim Ausziehen des Bogens sich die Zugkraft kontinuierlich erhöht bis zum Erreichen der Auszugslänge. Dies verhält sich beim Compoundbogen so nicht. Hier haben wir über die Vorspannung der Rollen bereits eine größere Zugkraft am Anfang zu überwinden. Wenn man an der Sehne zieht bewegen sich die vorgespannten Rollen nach hinten. Dadurch das die Rollen nicht mittig gebohrt und gelagert sind, kommt es zu einem ,,Kipppunkt wo sich die Rollen hebelverlängert nach hinten drehen. Dieser Kipppunkt ist der Punkt wo der Compoundbogen seine Maximalkraft (Peak-Weight) erreicht hat und der Bogen sich immer leichter ausziehen lässt. Der Auszug endet dann an dem Punkt, wo sich der Bogen mit der geringsten Kraft halten lässt, dem Tal Wenn nun über diesen Punkt hinaus an der Sehne weiter gezogen wird erhöht sich die Zugkraft wieder, da die Rollen in eine Position gebracht werden für die sie nicht gefertigt worden sind und die Sehne, über die Rollen, die Wurfarme belastet.
Zugkraft Round-Wheel
                       
Standhöhe
Wenn man sich einen Weg von der Standhöhe bis zum Tal vorstellt (siehe oben) so ist festzustellen, dass am Anfang eine Zuggewichtserhöhung festzustellen ist und danach die aufzubringende Kraft deutlich weniger wird. Dies hängt mit der Konstruktion der Rollen zusammen. In dem oben dargestellten Schema soll eine runde Rolle dargestellt sein. In dem Schema unten möchte ich gerne die Verhältnisse an einem Cam darstellen.
Zuggewicht
Wie man deutlich sehen kann ist bei einer runden Rolle (Round-Wheel) der Weg des Tales viel größer und der Weg des Peak-Weight viel kürzer als beim „Cam“. Das bedeutet für das Zuggewicht, dass sich ein Round-Wheel dynamischer und gleichmäßiger ziehen lässt als ein Cam. Da heutzutage die Rollen so konstruiert sind, dass Tal und Stop im Bogen ein und den selben Punkt markieren, unterscheiden sich Cam und Round-Wheel nur im Auszugsverhalten (gefühlsmäßig). Es gibt noch einiges mehr indem sich Round, - Energie- und Cam unterscheiden, darauf möchte ich jedoch später eingehen.
Merke: Cam hat ein langen Weg im Peak-Weight und nur ein kurzes Tal. Round-Wheels haben einen kurzen Weg im Peak-Weight und ein langes Tal. Bögen mit einem Cam lassen sich nicht so dynamisch ziehen wie Bögen mit Round - oder Energie Wheels.
Pfeilflug
Verhalten des Pfeilfluges beim Compoundbogen:
Der Compoundbogen wird in den meisten Fällen durch ein Release gelöst. Da der enge Sehnenwinkel, im ausgezogenen Zustand, ein Eingreifen der Finger in die Sehne nicht sauber gewährleistet. Hierbei gibt es verschiede Arten (mehr als 60 Stück). Die Masse der Release arbeitet jedoch mit einem Faden der um die Sehne, unter den Pfeil, gelegt wird. Dieser Faden wird dann am Release eingehakt. Um den Pfeil zu lösen wird ein Auslöser betätigt. Dieser löst dann den Faden der sich von der Sehne löst und die Sehne freigibt. Hierbei entstehen keine Seiten-Amplitude wie bei Recurvebogen. Durch die Massenträgheit des Pfeils und dem leichten Gewicht der Sehne, im Verhältnis zum Pfeil, wird dieser vertikal gebogen. Der Pfeil wird also nur vertikal in Schwingungen versetzt die es notwendig machen, eine Pfeilauflage zu benutzen, die vertikal beweglich ist. Somit ist auch die Benutzung eines Button nicht notwendig und findet im Compoundschießen meist keinen Einsatz.
Mittlerweile wurden auch Klapppfeilauflagen entwickelt, die durch einen Faden mit den Kabeln verbunden sind. Dieser wird durch die Kabelbewegung nach hinten gezogen und hebt den Finger der Pfeilauflage an. Beim Lösen gehen die Kabel wieder nach vorn und der Faden wird entspannt, der Finger der Pfeilauflage fällt unter dem Pfeil weg. Die Justierung dieser Pfeilauflagen ist nur für den geübten Schützen verwendbar, da sie einige Kenntnisse über den Compoundbogen voraussetzt (optimaler Lösepunkt von Pfeil-Sehne).
Da es aber auch Schützen gibt, die einen Compoundbogen mit den Finger ziehen und lösen, soll auch dieses Thema Erwähnung finden. Wie auch beim Recurvebogen entstehen seitliche Schwingungen der Sehne beim Schießen mit den Fingern. Diese entstehen beim Abrollen der Sehne über die Finger im Abschuss. Diese müssen, ähnlich wie beim Recurvebogen, eine seitliche Führung erhalten. Auch hier hat man kombinierte Pfeilauflagen gebaut die den Pfeil sowohl horizontal, wie auch vertikal führen.
Merke: Button ist beim Compoundbogen nur notwendig, wenn mit Fingern gelöst wird, ansonsten wird eine Pfeilauflage verwandt, die den Pfeil nur vertikal führt.